1989/90 |
Wandel im Osten: Kundgebung auf dem Alexanderplatz |
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Am 4. November 1989 versammeln sich mehr als 500.000 Menschen auf dem Alexanderplatz in Ost-Berlin. Die fünfstündige Kundgebung, zu der die Künstlerverbände der DDR und das Neue Forum aufgerufen haben, wird vom DDR-Fernsehen live übertragen. Die Redner fordern Meinungs- und Versammlungsfreiheit und eine reformierte DDR. Auf den mitgeführten Transparenten liest das Fernsehpublikum Aufrufe wie "Wir sind das Volk!", "Demokratie-Jetzt oder nie", "Visafrei bis Shanghai". Prominente Repräsentanten der SED werden ausgepfiffen. Die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989 rufen in mehreren Städten der DDR Proteste und Demonstrationen hervor. Es kommt zu blutigen Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Dies veranlasst Künstler, am 15. Oktober in Ost-Berlin verschiedene Diskussionsforen zu bilden und eine Kundgebung zu beantragen, die am 26. Oktober offiziell genehmigt wird. Diese angemeldete "sozialistische Protestdemonstration" wendet sich ausdrücklich an die "Hierbleiber". Bedingt durch den Rücktritt Honeckers am 18. Oktober wird auf der Kundgebung vor allem die Glaubwürdigkeit der Politik seines Nachfolgers Egon Krenz in Frage gestellt. Unangekündigt sendet das DDR-Fernsehen eine Direktübertragung der dreistündigen Abschlussveranstaltung. Viele SED-Reformer wie Günter Schabowski, Markus Wolf und Gregor Gysi ernten lautstarken Protest der Demonstranten. Beifall bekommt dagegen der befreiende Ruf des Schriftstellers Stefan Heym:"Es ist, als habe einer die Fenster aufgestoßen". Nur vier Tage später tritt das Politbüro der Partei geschlossen zurück. Bei der Neuwahl wird das Gremium von 21 auf 11 Mitglieder verringert. Die wichtigsten Repräsentanten der Honecker-Ära sind gestürzt. (ke) © Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland |