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Schriftsteller und Politiker
- 1936
- 5. Oktober: Václav Havel wird in Prag als ältester Sohn
des Ingenieurs Václav Havel und seiner Frau Bozena (Geburtsname:
Vavrecková) geboren.
- 1948
- Im Zuge der Enteignungen nach der Machtergreifung der Kommunisten
verliert auch die Familie Havel ihren Besitz.
- 1951- 54
- Aufgrund seiner "bourgeoisen" Herkunft darf Havel keine
weiterführende Schule besuchen. Er macht eine Lehre als Chemielaborant.
Auf einem Abendgymnasium holt er das Abitur nach. Havel schreibt erste
Texte, die stark von Kafka beeinflusst sind.
- 1955-57
- Da ihm aus politischen Gründen ein geisteswissenschaftliches
Studium verwehrt wird, studiert Havel an der Technischen Hochschule
in Prag Verkehrswirtschaft, darf das Studium aber nicht abschließen,
weil er sich an der Akademie der Musischen Künste beworben hatte.
Auch dort wird er zurückgewiesen. Havel schreibt Kritiken in allen
wichtigen tschechischen Literaturzeitschriften.
- 1957-59
- Militärdienst. Erste literarische Werke.
- 1960-68
- Nachdem er ein Jahr als Kulissenschieber am Prager ABC-Theater gearbeitet
hat, wird er am "Divadlo na zábradlí"-Theater
Bühnentechniker, später Dramaturg und Autor. Nebenbei arbeitet
Havel als Regieassistent an den Städtischen Bühnen. 1963 wird
sein Drama "Das Gartenfest" aufgeführt, 1965 "Die
Benachrichtigung". Zentrales Thema seiner in der Tradition des
absurden Theaters stehenden Stücke und seiner Artikel sind die
Gefahren totalitärer Machtansprüche für Individuum und
Staat. Havel darf ein Fernstudium im Fach Dramaturgie aufnehmen, das
er 1966 mit einem Examen abschließt.
- 1964
- September: Heirat mit Olga
Splíchalová.
- 1968
- Während des Prager
Frühlings ist Havel Vorsitzender des "Klubs unabhängiger
Schriftsteller" und gehört zu den 150 Unterzeichnern eines
offenen Briefes an das Zentralkomitee (ZK) der tschechischen Kommunistischen Partei (KP) mit Forderungen nach
mehr Demokratie. Er wird Wortführer der nichtkommunistischen Intellektuellen,
die den von Alexander Dubcek
eingeleiteten Reformprozess unterstützen.
August: Nach der Besetzung seines Landes durch die Truppen des Warschauer
Paktes widersetzt sich Havel der Gleichschaltungspolitik und erhält
daraufhin Aufführungs- und Publikationsverbot im gesamten Ostblock.
Er zieht sich in ein Bauernhaus zurück und verdingt sich als Hilfsarbeiter
bei einer Brauerei.
- 1974-85
- Obwohl in der Heimat geächtet
und schikaniert, erfreut sich Havel international wachsender Bekanntheit
als Dramatiker und Hörspielautor. Viele deutschsprachige Bühnen
bringen seine satirischen Komödien wie "Die Retter" (1974),
"Audienz" (1976), "Vernissage" (1976) und "Protest"
(1979). Zur neuen künstlerischen Heimat Havels entwickelt sich
das Wiener Burgtheater, das 1985 auch das Schauspiel "Largo desolato"
zur Uraufführung bringt. Immer wiederkehrendes Thema seiner Stücke
ist die Suche eines Intellektuellen nach Wahrheit, die ihn in Oppositon
zum totalitären Regime bringt sowie die Macht der Sprache und ihr
Missbrauch.
Auszeichnung mit mehreren
Literaturpreisen.
Die Möglichkeiten eines "Sozialismus mit menschlichem Antlitz"
sieht er im Gegensatz zu Dubcek eher kritisch. Den Egoismus der westlichen
Konsumgesellschaften lehnt Havel ab.
- 1975
- April: Offener Brief an den Staatspräsidenten Husák (1913-1991),
in dem er schonungslos mit dem System der absoluten "Tiefendemoralisierung"
abrechnet, das die Menschen in Heuchelei, Depression und Passivität
führe.
- 1977
- Januar: Mitbegründer der Menschen- und Bürgerrechtsbewegung
"Charta 77". Als einer ihrer Sprecher wird Havel zwei Monate
später verhaftet und im Oktober wegen "subversiver und staatsfeindlicher"
Aktivitäten zu drei Jahren Gefängnis auf Bewährung verurteilt.
- 1978
- Wegen fortgesetzter Aktivitäten als Bürgerrechtler und
wegen seiner Veröffentlichungen in einem Selbstverlag wird Havel
unter Hausarrest gestellt.
- 1979
- Erneute Verhaftung und Verurteilung zu viereinhalbjähriger Gefängnisstrafe
wegen "Aufruhrs". Trotz eines Ausreiseangebots der Regierung
tritt Havel die Haft an. Während der Haft entstehen die "Briefe
an Olga", seine Frau.
- 1983
- März: Heftige Proteste im westlichen Ausland und sein angeschlagener
Gesundheitszustand bewirken seine vorzeitige Haftentlassung.
- 1988
- Havel begründet die Dissidenten-Monatszeitung "Lidove noviny".
- 1989
- Januar: Havel ist Mitorganisator einer Gedenkveranstaltung für
den Studenten Jan Palach, der sich 1969 aus Protest gegen die Besetzung
des Landes selbst verbrannt hatte. Er wird erneut festgenommen und wegen
"Aufwiegelung und Störung der öffentlichen Ordnung"
zu neun Monaten verschärfter Haft verurteilt.
Mai: Nach weltweiten Protesten wird er aus der Haft entlassen.
Oktober: Havel erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
November: Eine Demonstration mit über 50.000 Teilnehmern in Prag
leitet die "samtene Revolution" und damit dramatische politische
Veränderungen in der CSSR ein. Havel ist Symbolfigur des gewaltlosen
Widerstandes.
19. November: Havel wird Vorsitzender des neu gegründeten "Bürgerforums"
(OF), dem neben oppositionellen Menschenrechtsgruppen auch die "Charta
77" angehört. Das Bürgerforum setzt gemeinsam mit seiner
slowakischen Schwesterorganisation "Öffentlichkeit gegen Gewalt"
(VPN) die Bildung einer neuen Regierung durch.
29. Dezember: Nachdem Präsident Husák zum Rücktritt
gedrängt worden war, wird Havel einstimmig zum ersten nicht-kommunistischen
Staatspräsidenten der CSSR seit 1948 gewählt. Einen Tag zuvor
war Alexander Dubcek zum neuen Präsidenten des Bundesparlaments
gewählt worden.
- 1990
- Februar: Havel und der sowjetische Staats- und Parteichef Michail
Gorbatschow unterzeichnen in Moskau eine Deklaration über Gleichberechtigung
und Souveränität und vereinbaren den Abzug der sowjetischen
Streitkräfte bis Ende 1991.
April: Umbenennung des Staates in "Tschechische und Slowakische
Föderative Republik" (CSFR)
Mai: Havel hält eine Rede vor dem Europarat - ein Plädoyer
für eine europäische Konföderation.
Juni: Aus den Wahlen zum Bundesparlament gehen Havels Partei Obcanské
fórum (OF) und die slowakische Verejnost proti násiliu (VPN) als große Sieger hervor.
5. Juli: Wiederwahl als Staatspräsident.
- 1992
- Februar: Gemeinsam mit Richard
von Weizsäcker unterzeichnet er den deutsch-tschechischen Freundschafts-
und Nachbarschaftsvertrag. Der Vertrag stößt auf Kritik von
Sudetendeutschen und tschechoslowakischen NS-Opfern.
Entgegen Havels
Vorstellungen von einem Bundesstaat nach deutschem Vorbild driften Tschechen
und Slowaken auseinander.
17. Juli: Das slowakische Parlament erklärt die Souveränität
der Slowakischen Republik.
20. August: Havel tritt vorzeitig als Staatspräsident zurück.
Das Amt bleibt vorerst vakant.
- 1993
- Januar: Nach Auflösung der Tschechoslowakei wird Havel mit knapper
Mehrheit zum Präsidenten der tschechischen Republik gewählt.
Sein Eintreten für eine Strafrechtsnovelle, welche u.a. die Beleidigung
des Staatsoberhauptes mit bis zu zwei Jahren Gefängnis bedroht,
kostet ihn Sympathien und fordert die Kritik von Amnesty International
heraus. Umstritten im eigenen Land sind auch seine Entschuldigungen
für die Vertreibung der Deutschen nach 1945.
- 1995
- Havel tritt für den
Beitritt seines Landes zur Europäischen
Union (EU) und zur
Nordatlantischen Verteidigungsorganisation (NATO) ein und fordert
eine gemeinsame Verfassung.
- 1996
- 27. Januar: Seine Frau
Olga stirbt an einem Krebsleiden.
Dezember: Havel wird ein Teil des rechten Lungenflügels entfernt
.
- 1997
- Januar: Heirat mit der
Schauspielerin Dagmar Veskrnová.
- 1998
- Januar: Wiederwahl zum Staatspräsidenten. Havel muss sich in seiner zweiten Amtszeit mehreren
schweren Operationen unterziehen. Sein internationales Renommee bleibt ungebrochen,
in Tschechien setzt ihm die von den Regierungsparteien Obcanskà
demokratická strana (ODS) und Sozialdemokraten (CSSD) geplante
Beschränkung der Macht des Präsidenten und der Tratsch der
Boulevard-Presse über seine zweite Ehe zu.
- 1999
- Im Beitritt seines Landes
zur NATO sieht Havel einen "der wichtigsten Augenblicke unserer
Geschichte" und befürwortet die tschechische Beteiligung am
Kosovo-Krieg.
- 2001
- November: Anlässlich
des tschechischen Nationalfeiertags beklagt er, dass das kommunistische
Erbe "an der Oberfläche kapitalistisch getüncht"
in Politik und Gesellschaft weiterlebe.
- 2002
- November: NATO-Gipfel in Prag, dem als erster Gipfel in einem Staat des ehemaligen Warschauer Paktes besondere Bedeutung zugemessen wird.
- 2003
- Havel unterschreibt den Aufruf von acht europäischen Staats-
und Regierungschefs zu einer Unterstützung der US-Politik
im Irak.
2. Februar: Václav Havel legt am Ende der zweiten Amtszeit sein Amt nieder. Er
ist nach zehn Jahren als tschechischer und zwei Jahren als tschechoslowakischer
Präsident der längstgediente Präsident des Landes.
28. Februar: Der frühere Ministerpräsident Václav Klaus und politische Gegenspieler Havels wird von beiden Parlamentskammern zum neuen Präsidenten gewählt.
- 2004
- Beitritt der tschechischen Republik zur Europäischen Union, wofür Havel schon seit 1995 eingetreten war.
Zusammen mit über 100 Wissenschaftlern und Politikern unterzeichnet Havel einen offenen Brief an Wladimir W. Putin, worin der politische Kurs des russischen Präsidenten scharf kritisiert wird. - 2006
- Veröffentlichung seines Erinnerungsbuches "Fassen Sie sich bitte kurz. Gedanken und Erinnerungen", in dem sich Havel mit seiner Zeit als Staatspräsident auseinander setzt.
- 2008
- Uraufführung des Theaterstücks "Odcházeni" (Abgang) im Theater "Archa" in Prag. Havel beschreibt den Abschied eines Politikers, die Schwierigkeit des schrittweisen Loslassens und die Machtübernahme durch den ungeliebten Nachfolger.
- 2011
- 18. Dezember: Nach schwerer Krankheit stirbt Václav Havel in Prag.
(sw/reh)
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